Der Ehrenfriedhof in Gerolstein

Ehrenfriehof1.jpg

(C) Hardy Schmidt-Ellinger

In seinen ersten Anfängen geht der Ehrenfriedhof Gerolstein auf das Kriegsjahr 1916 zurück. Damals wurde an der großen Militär-Rampe zwischen Gerolstein und Pelm am Fuß der Hustley ein Lazarett eingerichtet, außerdem hatten hier zwei Lazarettzüge ihren Standort.

Die Gemeinde betrachtete es als ihre Ehrenpflicht, den Schwerverwundeten, die auf der Fahrt von der Front und im Lazarett starben, eine würdige Ruhestätte zu schaffen. Der Friedhof im Ortsteil Sarresdorf erschien ungeeignet, da er für den ständig wachsenden Ort bereits zu klein zu werden begann. Ausschlaggebend wurde darüber hinaus der Gedanke für die gefallenen Soldaten eine eigene, besondere Ehrenstätte auszusuchen. Wie glücklich die nach langem Überlegen getroffene Wahl seitens verantwortungsbewusster Männer der damaligen Zeit war, beweist der Besuch der Gräber.

Dort, wo Hast und Unruhe des Tales abgeebbt sind, wo der Wald sich erhebt und das große Schweigen herrscht, ruhen die Toten. In eherner Ruhe stehen jenseits des Tales die Gerolsteiner Felsen – Sinnbilder der Landschaft und Heimaterde, um derentwillen sie sterben mussten. Liebend, wie mit Mutterarmen, umfangen die Wallfahrtswege zur Büschkapelle die Gräber, geleiten die stillen Besucher der Toten zu der Mutter in der kleinen, tröstenden Kapelle, die seine Entstehung den Sorgen einer Mutter um ihren Soldatensohn verdankt und bis aufs Jahr 1848 zurückgeht.

Bis zum Kriegsende 1918 fanden 82 deutsche Soldaten hier die letzte Ruhestätte, mit ihnen Amerikaner, Engländer, Franzosen, Polen und Russen. Die ausländischen Gefallenen wurden nach dem Kriege auf Heimatfriedhöfe überführt.

Als die Gerolsteiner Soldaten 1918 von der Front zurückkehrten, fand der Friedhof ihre vollste Zustimmung. Aus ihren Reihen bildete sich die erste Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten, die sich der Gräber neben den amtlichen Stellen der Verwaltung in vorbildlicher Weise annahm. Der 1. Vorsitzende, Peter Hoffmann, richtete einen Aufruf an die Kriegsteilnehmer und die Bevölkerung, und aus den noch nicht übersichtlich geordneten Gräberfeldern wurde eine würdige Anlage geschaffen. Störende Bäume wurden entfernt, Wurzelstöcke gerodet, Wege angelegt, schlichte Holzkreuze errichtet, Ruhebänke angebracht und der Friedhof selbst mit einem Holzzaun eingefriedet.

Als die Exhumierung der ausländischen Soldaten erfolgte, musste eine Neugestaltung vorgenommen werden. Nunmehr wurden die Gräber zu dreien zusammengefasst und mit heimischen Lavaschlacken umgrenzt. Jedes Grab erhielt ein Sandsteinkreuz mit Inschrift. An das Ende des Hauptweges, vor der südlichen Zaungrenze zum Wald hin, wurde ein hoher Gedenkstein errichtet, von Rabatten mit Blumen umgeben. Im Jahre 1922 waren die Arbeiten beendet, Peter Hoffmann ließ jedes Grab fotografieren und sandte den Angehörigen die Aufnahmen zu. Dadurch konnte ein als vermisst gemeldeter Soldat identifiziert werden. Bis zum Jahre 1933 führte die Ortsgruppe der Kriegsopfer die Betreuung und Instandsetzung durch, seitens der Bezirksregierung erfolgten Zuschüsse. Am Heldengedenktag fand alljährlich eine Feier statt. Nach 1933 wurden die einzelnen Gräber durch Patenschaften gepflegt.

Als im Jahre 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, reihten sich neue Gräber an die alten. Bereits im September fanden die ersten Wehrmachtsangehörigen hier ihre letzte Ruhestätte, da militärische Verbände in Gerolstein zum Einmarsch nach Frankreich in Bereitschaft lagen; es blieb jedoch bei Einzelfällen, da sich die Fronten länderweit von der Eifel entfernten.

1944 kam die große Not. Vom Frühsommer ab fuhr der Tod über den Eifelhimmel. Tiefflieger schossen die Garben ihrer Bordwaffen auf Züge und Bahnanlagen, zu den toten Soldaten reihten sich nun Zivilpersonen, Frauen und Kinder.

Zu Beginn der Rundstedt-Offensive im Dezember 1944 wurde in der St.-Josef-Schule ein Lazarett eingerichtet, der Kindergarten in der Oberen Marktstraße war Krankensammelstelle. Es verging kaum ein Tag, an dem keine frischen Gräber ausgehoben werden mussten.

Ihren Höhepunkt erreichte die große Not von Heiligabend bis Ende Dezember 1944, die Stadt samt Tal sank bis auf wenige Häuser in Schutt und Trümmer. Am 2. Januar 1945 wurde bei einem Bomben-Großangriff ein Luftschutzstollen im Hang am Kasselburger Weg, gegenüber vom Bahnhof getroffen, in dem 51 Einwohner, Männer, Frauen, Kinder, Soldaten und sogenannte Ostarbeiter den Tod fanden. Erst am 22. Januar 1945 fiel der letzte Bombenteppich der amerikanischen Verbände, raffte weitere Zivilpersonen, Soldaten und „Ostarbeiter“ hin und machte alles dem Erdboden gleich, was noch erhalten war. In dieser Zeit wurden außerdem auf dem Gemeindefriedhof an der Sarresdorfer Straße 47 gefallene Zivilpersonen und „Ostarbeiter“ bestattet, wo auch einheimische Soldaten der beiden Weltkriege ruhen, die von den Angehörigen in Familiengräber gebettet wurden.

Nach dem Waffenstillstand im Mai 1945 fanden Verstorbene aus den Kriegsgefangenen-Lagern in Gerolstein und Hillesheim auf dem Ehrenfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

Mitte der 50er Jahre exhumierte der amerikanische und britische Gräberdienst ihre hier bestatteten Staatsangehörigen und bettete sie auf ihre großen Zentralfriedhöfe um. Danach begann eine Arbeitsgruppe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorger mit der erforderlichen Identifizierung der unbekannten Soldaten.

Im Herbst 1955 wurde mit dem Ausbau der jetzigen Anlage begonnen. Der alte Holzzaun wurde durch eine Mauer in Naturstein ersetzt. Bund, Land, Stadt und der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge beteiligten sich gemeinsam am Ausbau, der nach Plänen von Gartenarchitekt Kl. Karnatz aus Trier durchgeführt wurde.

In der Stille des schweigenden Waldes ruhten bei der Einweihung des Ehrenfriedhofes 1958, 82 des 1. Weltkrieges, 62 zivile Kriegstote sowie 198 Wehrmachtsangehörige und ausländische Kriegstote des 2. Weltkrieges.

Zwischen 1958 und 1994 erfolgten mehrmals Zubettungen aus verschiedenen Gemeinden des Gerolsteiner Landes, darunter 42 Kriegstote aus dem früheren Kirchenfriedhof Birresborn und 5 polnische Staatsangehörige vom städtischen Friedhof an der Sarresdorfer Straße.

Zur Zeit ruhen auf dem Ehrenfriedhof insgesamt 391 Kriegstote. Davon 317 Soldaten und 74 Zivilpersonen.

Die Heimkehr war ihnen nicht beschieden, doch ihr Andenken wird nach internationalem Brauch durch ein fortdauerndes Ruherecht und eine angemessene Unterhaltung ihrer Gräber gepflegt.

(Aus der aktualisierten Schrift zur Einweihung des umgestalteten Ehrenfriedhofes am 19. Oktober 1958)