Stadtteil Müllenborn

Der Stadtteil Müllenborn liegt ca. 5 km westlich von der Kernstadt entfernt auf einer Höhe von 400 m über N.N. 1993 feierte der Ort das urkundlich nachweisbare 1100 jährige Bestehen des Dorfes.

Eine Besonderheit sind die Karstquellen, die in und um Müllenborn im Tal des wildromantischen Oosbachs sprudeln. Der dem mitteldevonischen Schönecker Dolomit entspringende "Großer Müllenborn" ist mit 2 – 3.000 m³ Schüttung pro Tag ein Hauptlieferant für die Wasserversorgung im Gerolsteiner Land. 1980 wurde mit dem Ausbau eines Verbundsystems der Verbandsgemeinde Gerolstein für die Wasserversorgung begonnen. Über dieses Verbundsystem wurden fast alle Gemeinden des Gerolsteiner Landes mit einwandfreiem Trinkwasser versorgt. Die maximal geförderte Wassermenge aus Müllenborns Tiefbrunnen beträgt dabei jährlich bis zu 900.000 m³ In Richtung Oos, entspringt auf der rechten Talseite die Utzig-Karstquelle; zwischen dem natürlichen Quellaustritten links und rechts der Oos besteht ein Höhenunterschied von 3,8 Metern. Der Haupt-Quellaustritt befindet sich oben rechts, jedoch kann man auch im tiefergelegenen Teich auf der anderen Straßenseite selbst sprudelnde Austritte anhand von aufsteigenden Blasen erkennen.

Die starken Quellen wurden schon im Frühmittelalter zum Antrieb von Mühlen genutzt, wodurch der Ort seinen Namen erhielt. Müllenborn hatte einstmals fünf Mühlen, die aber nicht vorrangig Mehlmühlen waren, sondern für die Holz und Eisenverarbeitung genutzt wurden.

Erzabt Caesarius von Prüm erwähnt in seinen 1222 verfassten Kommentar des Prümer Urbars von 893 Mulenburne als alten Mühlenbesitz der Abtei Prüm. Durch einen Gütertausch kommt der Ort 1291 an die Herren von Blankenheim. Ende des 15. Jahrhunderts gehört der Ort als Bestandteil des Hofes Roth zur Grafschaft Gerolstein.

Auf diese Zeit dürften auch die Anfänge der Müllenborner Eisenindustrie zurückzuführen sein. Von der Blüte der Eisenindustrie, besonders in napoleonischer Zeit, künden heute noch stolze Bürgerhäuser, die sich die Reitmeister, wie man Hüttenbesitzer nannte, errichteten. Die Lage der damaligen Hütte ist heute nicht mehr zu erkennen, eine Hinweistafel gibt darüber Auskunft. Das Wassersammelbecken (die „Klous“) zum Antrieb des Hammerwerkes, durch ein Mühlrad betrieben, das neben der Antoniuskapelle zu sehen ist und die Bezeichnung des unteren Ortsteil Müllenborns als „Auf der Hütte“, sind die letzten Zeugen der Eisengewinnung.

In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts starben mit den Eisenwerken auch der Eisenbergbau, das Lohschälen und Meilern aus. Ebenso ging über eine Molkerei, eine Stickerei und andere kleine Industrien, die die Wasserkraft ausnutzten, sowie die Steinbrüche im Rother Kopf, die Zeit hinweg.

Die Katholische Filialkirche Sankt Antonius von Padua geht auf das Jahr 1682 zurück. Sie ist ein einfacher Bau mit hochangebrachten kleinen Fenstern. Sie war wahrscheinlich die erste Kapelle in Müllenborn und stellt eine Besonderheit in der Bauart und ihrer Geschichte dar, da sie einen Gewölbekeller und einen Speicherboden besitzt. Vor über dreihundert Jahren hat wohl der damalige Besitzer Johann Carl Coels aus Dankbarkeit oder Zufriedenheit die kleine Kapelle als privates Bethaus „auf der Hütte“ erbauen lassen. Der Holzaltar aus dem 17. Jahrhundert ist charakterisiert durch spätes Knorpelwerk. In der Mittelnische des Holzaltars aus dem 17. Jahrhundert steht die große Holzfigur des heiligen Antonius von Padua mit dem segnend auf einer Bibel stehenden Jesusknaben, zur Seite die Holzfiguren der heiligen Joseph und Johannes der Täufer. In vielen Beschreibungen des Altars heißt es, auf der rechten Altarseite stehe die Figur des hl. Johannes des Evangelisten. Bei der Statue handelt es sich aufgrund deutlicher Symbole aber um die Darstellung des hl Johannes des Täufers. Seit 2004 erst ziert die gestiftete Statue des hl. Antonius den Altaraufbau, der in Müllenborn sehr verehrt wurde.

Eine kleine Glocke wurde für das Jahr 1830 nachgewiesen, die um 1882 erneuert wurde, was zur Folge hatte, dass die sicher um die 200 Jahre alte Vorgängerin eingeschmolzen wurde.

Erst ab dem Jahr 1803 gehörte Roth als Pfarrort und Müllenborn als Pfarrfiliale zum Bistum Trier. Wann die Kapelle der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde ist nicht mehr festzustellen, man kann aber davon ausgehen, dass sie bereits früh für die Müllenborner geöffnet wurde. Bis 1930 diente sie dem Hüttenherrn Schruff, dem Alleineigentümer, als Privatkapelle ohne einen nachweisbaren Vertrag als Filialkirche. Die Familie Schruff schenkte 1930 die Kapelle der Gemeinde Müllenborn, womit ab dem 16.Januar 1931 der Ort selber für die Unterhaltung aufkommen musste. Damals war der Andrang der Kirchenbesucher noch deutlich größer als heute, wodurch die Kapelle zu klein und eine Empore (der Ducksaal) eingebaut wurde. Als während des zweiten Weltkrieges das große „Glockensterben“ begann, da das Metall für die Kriegsindustrie benötigt wurde, wurde die Glocke eingeschmolzen und erst 1950 durch Pastor Lenz eine neue angeschafft. Da diese größer und schwerer war, musste die Dachkonstruktion mit einem wuchtigen Dachreiter verstärkt werden. 1969 wurde renoviert und beim Entfernen des alten Anstriches kamen rankenförmige Bemalungen an zwei Deckenbalken zum Vorschein, die liebevoll restauriert wurden. Im Jahr 2005 wurde die Kapelle saniert.

Pflege, Gestaltung und Restaurierung haben seit der Schenkung dem Ort Müllenborn einige Kosten beschert. Auch wurde 1944 in Müllenborn eine zweite Kapelle, die Marienkapelle erbaut, weshalb im Jahr 2004 der Kapellenverein gegründet wurde, der sich um alle Belange beider Kapellen kümmert.

Am Ortsausgang in Richtung Roth liegt am Fricksbach die kleine Marienkapelle. Während des zweiten Weltkrieges gelobten aus Angst, Not und Verzweiflung heraus einige Müllenborner Bürger, dass sie als Dankeszeichen eine Kapelle errichten würden, wenn der Ort und die Menschen von den Kriegsfolgen verschont blieben. Von gesprengten Brücken und Gebäudeschäden abgesehen, blieb das Dorf weitgehend verschont. Es sollte allerdings noch bis 1957 dauern, bis das Gelübde eingelöst und mit der Planung begonnen werden konnte. Am 8. September wurde die fertiggestellte Marienkapelle mit einer gestifteten Muttergottesstatue eingesegnet.

Am westlichen Ortsausgang sind großen Blöcke aus Bundsandsteinkonglomerat vorhanden, die von einem gewaltigen Felssturz vor geologisch nicht allzu langer Zeit herrühren. Man findet neben dem sogenannten Naturbeton auch andere durch Vulkanismus entstandenen Gesteinsarten. Eine Informationstafel, die sich auf der rechten Seite nahe dem Ortsausgang in Richtung Oos am Waldrand befindet, gibt Auskunft über Gesteine und den großen Felsen, vor dem sie steht.

Viele Rundwander- und radwege sind vorhanden; so führt einer zu einem Keltengrab auf Lenzerath und ein anderer zum Peter-Scholz-Kreuz auf der sog. Ooser Nase. Auch der Zugang zum Eifelsteig ist vom Ort aus möglich und ausgeschildert. Schöne Spazierwege leiten durch Wald und Wiesen sowie zum Ortskern mit seinem großen Weiher. Liebevoll werden sie vom Eifelverein instand gehalten und gepflegt. Für Kurzrastende stehen eine Gaststätte und ein Hotel, sowie ein Campingplatz und eine Saunalandschaft zur Verfügung.

Wer offenen Auges und mit Interesse für die Landschaft durch den Ort geht, wird Müllenborn als einen quasi in den Wald hineingewachsenen Ort wahrnehmen, sowie die Freude der Bewohner daran, die sie umgebende Natur in ihren Gärten zu kultivieren und dem rauen Klima der Eifel Farbe und Blütenpracht abzugewinnen.

Wer sich zum Rother Kopf aufmacht und über die Wirtschaftswege oberhalb des Landhauses spaziert, wird dort die Eishöhlen finden, die oft Rückzugsort für Fledermäuse sind und einen wunderschönen Blick über das Müllenborner Tal und den langgestreckten Ort genießen können. Die in Müllenborn lebenden Menschen strahlen aus, was auch den Ort auszeichnet: Ruhe, Einheit mit dem Land und einen rauen Charme. Ihre fröhliche Feierlaune macht Feste zu kleinen Events, zu denen auch Besucher immer herzlich eingeladen sind.

Karneval mit einem großen Umzug, an dem sich drei weitere Orte beteiligen, ist im ausklingenden Winter heute, wie damals, eine willkommene Ablenkung davon, dass die Sonne das Tal von Müllenborn einige Monate nicht verwöhnt. Aber auch die Feiern in den wenigen warmen Sommertagen werden von neun Ortsvereinen und vielen Müllenborner Bewohnern jedes Jahr ausgerichtet und gestaltet.

Quellen

  • Wikipedia     
  • gerolsteiner-land.de   
  •  Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier - Roscheider Hof-     
  • „Sankt Antoniuskapelle und Marienkapellchen in Müllenborn, Entstehung und Geschichte“, Peter Klaeren     
  • „Eine Reise durch die Vergangenheit“, Hrsg. Ortsgemeinde Müllenborn, Peter H. Klaeren     
  • Wasserwerke Gerolstein, 2009, www.werke-gerolstein.de