Vier Kilometer südwestlich vom Zentrum Gerolsteins aus entfernt liegt das Dorf Roth als Stadteil mit 161 Einwohnern. Vermutlich ist der Name des Dorfes auf seine Entstehung durch Rodung zurückzuführen. Der Ort "Roide" wird im Jahr 1136 in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Alberto von Basel, als Besitzer der Abtei Prüm aufgeführt. Ende des 15. Jahrhunderts ging dann der Hof Roth in den Besitz der Grafschaft Gerolstein über. Hierunter erlangte er als Sitz des Schultheiß und der unteren Gerichtsbarkeit für die umliegenden Dörfer besondere Bedeutung.

Aus dieser Zeit stammt das vermutlich älteste Haus des Ortes, der sogenannte "Scholzenhof", der bis heute erhalten geblieben ist. Das Foto stammt aus dem Jahr 1912.

Ihm gegenüber liegt das ortsbildprägende Gebäude der katholischen Kirche. Diese hat ihre Ursprünge in der Antoniuskapelle, die erstmals im Jahr 1505 erwähnt wird. Noch heute ist Antonius der Einsiedler Schutzpatron der Gemeinde. Seit dem Jahr 1701 ist Roth selbständige Pfarrei. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet mit einer Erweiterung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Damals wie heute schätzt man den fruchtbaren Boden unserer Region, so dass diese schon früh von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt war. Neben den üblichen Feldfrüchten sollten in der Franzosenzeit als Besonderheit Zuckerrüben angebaut werden. Zum Bedauern der damaligen Behörden scheiterte jedoch ihr Vorhaben, da die Bauernschaft dieser Idee kein Vertrauen schenkte.

Unterbrochen wird alles durch eine Vielzahl an Weiden und Wiesen, deren Nutzung hauptsächlich den bei uns ansässigen zwei Milchviehbetrieben dient. Überregional bekannt wurde Roth aber nicht nur wegen seiner Landwirtschaft. Vielmehr gab uns Mutter Natur neben einer herrlichen Landschaft mit fruchtbaren Böden und Wäldern auch noch ein Geschenk: das Vulkangestein.

Vor mehreren zehntausend Jahren wurden hier bei Vulkanausbrüchen lockere Basalt-Tuffe auf eine bereits vorhandene Bundsandsteinüberdeckungen des Grundgebirges aufgeschichtet.

In der "Eifelia Inlustrata" von 1854 wird weiter hierzu festgehalten: "Auf dem "Rother Kopf" findet sich eine schlackige konglomeratartige Lava mit Glimmer und Augit. Man benutzte solche früher zu Mühlsteinen. Die sogenannte Rother Eishöhle auf der nordwestlichen Seite des "Rother Kopfes" in einer wilden Waldgegend, von Lavawänden gebildet, unter dem Schatten hochstämmiger Buchen, ist wahrscheinlich durch das Brechen von Mühlsteinen entstanden und ist nichts anderes, als eine verlassene Mühlsteingrube. Sie ist etwa 20 Schritte lang, der Boden und die Wände, aus fester Lava bestehend, sind mit Eis bedeckt."

Zwar ist bis heute nichts von der romantischen Szenerie verloren gegangen, doch führen heute gut ausgewiesene Wanderwege, wie auch der "Eifelsteig" zu den Höhlen. 

Eine Eisbildung findet in unseren Tagen leider nicht mehr statt aber bis heute erfrischt eine Besichtigung der Höhle den Wanderer zur Sommerzeit. Doch nicht nur zu Mühlsteinen wurde das Gestein verarbeitet, auch als Baumaterial fand es vielfach in der Region Verwendung. Ein Beispiel auch nächster Umgebung: Das ehemalige Pfarrhaus in Roth.

Es wurde im Jahr 1865 erbaut und besteht aus Quadern heimischer vulkanischer Schlacke.

So lassen sich in dem netten Dorf Roth sicher keine architektonischen oder kulturellen Höhepunkte übergeordneter Bedeutung finden, doch eine Vielzahl kleiner Schmuckstücke umrahmt von herrlicher Natur versprechen interessante Unternehmungen in und rund um Roth.

 

Text und Bilder: Dr. Norbert Brochhausen